Interview mit Marianne Walde, Stiftungsrätin der SANNI Foundation

Liebe Freundinnen und Freunde der SANNI Foundation
Manchmal sind es einzelne Begegnungen, die den Wert unserer Arbeit besonders sichtbar machen. Im November 2025 reiste unsere Stiftungsrätin Marianne Walde erneut nach Indien und besuchte St. John’s in Trivandrum – einen Ort, den sie vor über 13 Jahren erstmals kennengelernt hat.
Was sich seither verändert hat, welche persönliche Geschichte sie bis heute begleitet und warum Bildung der Schlüssel zu nachhaltiger Veränderung ist, erzählt sie im folgenden Interview.

Wie kamst du mit der SANNI Foundation in Kontakt?
Ich kenne Susanne seit rund 15 Jahren. Als ich ihr vor etwa 13 Jahren erzählte, dass ich nach Kerala reisen würde, meinte sie sofort: „Du musst unbedingt Father Jose besuchen.“ Meine Tochter und ich taten das und dieser Besuch hat mich tief berührt. Das Zentrum in Trivandrum und die Begegnung mit Father Jose waren eindrücklich, Father Jose ist voller Energie, mit großem Herzen und einer tiefer Liebe für die Menschen.
An diesem Tag wurde ein kleiner Junge ins Zentrum gebracht, der auf der Straße gelebt hatte: Midun, damals vier Jahre alt. Seine Mutter war selbst noch sehr jung und völlig überfordert. Er wurde mein erstes Patenkind.
Du bist im November 2025 wieder nach Trivandrum gereist. Hattest du während all dieser Jahre Kontakt zu deinem Patenkind?
Ja, alle Patinnen und Paten erhalten jährlich einen Bericht über die Entwicklung ihres Kindes. So konnte ich Miduns Weg mitverfolgen. Im November habe ich ihn wiedergesehen: Es geht ihm gut, er hat die Schule abgeschlossen und möchte Krankenpfleger werden. Er hat wieder Kontakt zu seiner Mutter – auch sie habe ich getroffen. Ihr Dank war ein Moment, den ich nie vergessen werde.
Was hat sich in St. John’s verändert?
Es ist kaum wiederzuerkennen. Aus einem Tropfen Wasser ist ein See geworden: Heute gibt es drei Spitäler, mehrere Schulen, einen Supermarkt, Alterswohngemeinschaften und Werkstätten. Besonders beeindruckend ist, dass die Spitäler inzwischen selbsttragend arbeiten. Genau das ist das Ziel der SANNI Foundation: Menschen zu befähigen, für sich selbst zu sorgen. Dazu gehören Programme zur Stärkung von Frauen, etwa durch Ausbildungen in Geflügel- oder Pilzzucht. Früher richteten sich diese speziell an Frauen mit HIV – in einer Zeit, in der es HIV/Aids offiziell „gar nicht gab“. Das zeigt, wie wichtig diese Arbeit ist.


Die SANNI Foundation ist auch in den Slums von Delhi tätig. Wo liegt dort der Fokus?
Dort schaffen wir Tagesstrukturen für Kinder ohne Schulbildung und ermöglichen ihnen so den Einstieg ins Bildungssystem. Gleichzeitig bilden wir Frauen als Näherinnen oder Kosmetikerinnen aus. Im Dezember 2025 wurde sogar ein kleines Nähatelier eröffnet, das einigen Frauen ein festes Einkommen sichert. Das Ziel ist nachhaltige Veränderung, das Schaffen von echten Perspektiven statt kurzfristiger Hilfe.
Was motiviert dich, dich zu engagieren?
Ich bin gesund, habe eine Familie, uns geht es gut – das ist ein Geschenk. Von meinem Glück gebe ich gerne etwas weiter. Bei SANNI ist das durch Patenschaften und Spenden für Bildung und Gesundheit möglich, in Indien wie auch in Myanmar. Diese Unterstützung verändert Leben nachhaltig. Midun ist für mich dafür der beste Beweis.
Was wünschst du dir für die Zukunft der SANNI Foundation?
Dass wir noch viele Kinder und Frauen in Indien und Myanmar unterstützen können. Jedes Leben zählt. Mit jedem Kind, dem wir eine Perspektive schenken, verändern wir nicht nur ein Leben, aus einem Tropfen Wasser entsteht jedes Mal ein neuer See.







